WindelManufaktur & Von Ocker und Rot

Low-Waste Produktion made in Germany

Steckbrief

Großenhainer Str. 32 | 01097 Dresden

Typ urbaner Produktion: Urbane Manufaktur
Produkte: Stoffwindeln und weitere Stoffprodukte
Gründung: 2013 (von Stephanie Oppitz)
Rechtsform: GmbH
Standort: In einem gewerblich geprägten Teil des Dresdener Stadtteils „Leipziger Vorstadt“
Beschäftigte: 29 (Stand 2020)​
Kontakt:
https://www.windelmanufaktur.com/de/

https://www.vonockerundrot.com/de/

Gründerin Stephanie Oppitz © Amac Garbe

© Thomas Stricker

WindelManufaktur & Von Ocker und Rot

Nach einem Jahr des Tüftelns und bei der Suche nach dem Sinn des Lebens, gründete die Architektin und dreifache Mutter Stephanie Oppitz 2013 die WindelManufaktur in Dresden als Einzelunternehmen, um Stoffwindeln herzustellen. Hilfreich war dabei, dass bereits ihre Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits selbstständig waren und sie so den notwendigen Mut zur Unternehmensgründung in die Wiege gelegt bekommen hat. „Eine Firma zu gründen braucht besondere Charakterstärken und fordert Menschen heraus“.

Ausgangslage

Aufmerksam auf die Problematiken der Wegwerfwindeln wurde Stephanie Oppitz durch die hohen Müllberge an Windeln durch ihre eigenen drei Kinder. 10 % des deutschen Restmülls besteht aus Einwegwindeln. Wegwerfwindeln können nicht nur der Grund für Hautirritation bei Kindern sein, sondern verbrauchen viele Ressourcen und verursachen einen hohen Anteil an nichtabbaubaren Umweltverschmutzungen. Aus diesem Grund setzte sich die Gründerin das Ziel waschbare Windeln aus Stoff zu entwickeln, die einer modernen Lebensweise entsprechen und auf praktischer Ebene überzeugend sind. Dafür konstruierte sie ein modulares Stoffwindelsystem, mit denen ein ressourcenschonendes, hautfreundliches und ästhetisches Wickeln möglich ist.

Heute produziert sie gemeinsam mit ihren Mitarbeiter*innen in einer Manufaktur diese Stoffwindeln in verschiedenen Größen, Farben und Mustern. Seit 2013 hat sich die Produktpalette um weitere Stoffprodukte wie schadstofffreie Feuchttücher, Taschentücher oder Stilleinlagen erweitert. Zusätzlich werden mit der Schwestermarke „Von Ocker und Rot“ Frauenhygieneprodukte wie Binden und Slipeinlagen aus Stoff hergestellt. Dabei fokussiert sich die Manufaktur nicht nur auf die Herstellung der Produkte, sondern es werden zudem Anregungen, Erfahrungen und Möglichkeiten für eine ressourcenschonende umweltbewusste Erziehung geteilt. „Wir unterstützen Familien die möglichst umweltschonend, naturverbunden und nachhaltig mit ihren Kindern leben wollen.“ Deshalb wurde die Windelmanufaktur beim futureSAX-Ideenwettbewerb 2017 – dem Gründerpreis des Freistaats Sachsen – mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Aufgrund des Wachstums der Firma und Haftungsfragen, hat sich Oppitz 2019 dazu entschlossen die Firma in eine GmbH umzuwandeln.

Produktionsort

Im November 2018 zog die Windelmanufaktur aus der familieneigenen Immobilie in der Dresdener Neustadt zur Vergrößerung an den heutigen sehr zentralen Standort in der Großenhainer Straße 32. Die Straße ist aus der Geschichte heraus geprägt mit Stadtvillen an der Straße und Produktionshallen und -gebäuden in den Hinterhöfen und somit seit jeher ein gemischtes Gebiet. Die WindelManufaktur befindet sich im Erdgeschoss einer dieser Villen mit ca. 230 qm, während in den oberen Geschossen gewohnt wird. Im Hinterhof befindet sich ein Orgelbauer in fünfter Generation. Vorher befand sich auf der Fläche eine Bäckerei und später eine Marketingfirma. Durch neue Mieter*innen kommt es hin und wieder zu Nutzungskonflikten, da sich die Mieter*innen über das „klackern“ der Nähmaschinen beschweren. Außerdem kommt täglich eine DHL-Lieferung, die ca. drei Minuten die Einfahrt blockiert, weshalb sich Anwohnende ebenfalls beschwerten. Auf der anderen Seite fühlen sich die Mitarbeiter*innen der Manufaktur manchmal von der lauten Musik gestört. Gegenseitige Rücksichtnahme und Akzeptanz ist im gemischten Stadtgebiet notwendig.

Der Standort wurde bewusst in der Stadt gewählt, um kurze Wege für die Mitarbeitenden zu erzielen. Stefaphie Oppitz selbst lebt nur 500 m entfernt und die meisten Mitarbeiter*innen kommen mit dem Fahrrad oder der Straßenbahn. Die Mitarbeiterin, die am weitesten entfernt wohnt – wohnt 15 km entfernt. Allerdings platzt nun auch dieser Firmenstandort bereits wieder aus allen Nähten, bleibt aber bis zum Auslaufen des Mietvertrags noch vor Ort erhalten.

Im Atelier werden die Stoffprodukte entworfen und genäht, wobei die Manufaktur auch von lokalen Nähereien aus weitere Unterstützung erhält. Zusätzlich zu den Arbeitsräumen besitzt das Atelier einen Showroom, in dem Kunden persönlich beraten und Stoffprodukte gekauft werden können. Neben dem Verkauf vor Ort werden die Produkte hauptsächlich Online, im Onlineshop der Manufaktur oder auf Amazon, angeboten. Durch die Fokussierung auf Online werden die Produkte in die ganze Welt versendet. Um trotz des hohen Versands auf Nachhaltigkeit zu achten, werden Pakete möglichst umweltfreundlich versendet und alte Verpackungen und Kartons wiederverwendet. Viele Kund*innen bringen gebrauchte Kartons mit und ein lokaler Schuhhändler bringt gebrauchte Schuhkartons vorbei.

Low/Zero-Waste Produktion

Die WindelManufaktur achtet im gesamten Produktionsprozess auf Ressourcenschonung. Dies beginnt bei der Auswahl von Fasern, wo auf Verfahren geachtet wird, die verwendete Ressourcen wiederaufbereiten und erneut einsetzen. Bei der Produktion wird auf eine möglichst restlose Verwertung der Stoffe und dem Einsatz erneuerbarer Energien geachtet. Auch während der Benutzung unterstützt die WindelManufaktur ihre Kund*innen mit einem Reparaturservice, um die Lebensdauer der Produkte so lang wie möglich zu erhalten. Stoffwindeln sind in der Regel für mehr als ein Kind verwendbar und helfen dadurch, die Abfallbilanz pro Familie erheblich zu senken. Der Energie- und Wasserverbrauch zum Waschen der Stoffprodukte fällt dabei kaum ins Gewicht, da heutzutage eine ressourcenschonende hygienische Reinigung einfach möglich ist.

Im Vergleich zu Einwegwindeln sind Stoffwindeln eine kostengünstige Alternative. Anhand eines Haushaltbeispiels lässt sich im Vergleich eine Ersparnis von 859,21 € durch die Verwendung von Stoffwindeln errechnen. Die Ersparnisse entstehen durch die verlängerte Nutzungsdauer – sie können auch für das nächste Kind weiter eingesetzt werden – und geringe Müllproduktion der Stoffwindeln.

Team

Aktuell sind 29 Mitarbeiter*innen aus verschiedenster Herkunft, Konfession und Profession in der Windelmanufaktur tätig. Unter den Mitarbeiter*innen befinden sich sowohl geflüchtete Menschen, als auch Spätaussiedler, Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen und Menschen aus Rehabilitationsmaßnahmen. Diese Vielfalt wird als große Bereicherung des Arbeitsalltags anerkannt. Ein Ziel für die Zukunft ist noch Ausbildungsbetrieb zu werden, die Produktionsleiterin hat einen Meistertitel wodurch dies auch möglich ist.

Fazit

Die Windelmanufaktur in Dresden zeigt, dass die Produktion neuartiger Produkte in Deutschland in der Stadt möglich ist und auch ein Vorteil für Mensch und Umwelt bieten kann. Familien mit Kindern können durch die Umstellung auf Stoffwindeln einen Beitrag gegen die enorme Müllproduktion der Gesellschaft leisten und nebenbei einen finanziellen Vorteil erhalten.

Autorinnen: Kerstin Meyer und Santhiya Vanajanathan, Institut Arbeit und Technik (08.05.2020). 

Quellen