SoLaWi Kümper Heide

Solidarische Landwirtschaft in Dortmund

Steckbrief

Kümper Heide 21, 44329 Dortmund

Typ der Produktion: Solidarische Landwirtschaft

Produkte: Gemüse, Lernprogramme für Kinder und Jugendliche, Lernbauernhof

Gründung: 2013

Beschäftigte: 6 VZÄ, 4 FÖJler*innen, 2 Praktikant*innen der Fachoberschule Landwirtschaft und viele Ehrenamtliche Helfer*innen

Standort: Einsiedlerhof am Ortsrand von Dortmund-Derne

Kontakt: https://www.lernbauernhof-schultetigges.de/hauptmenue-rechts/kontakt.html

Fotos (C) Lernbauernhof Schulte-Tigges

Solidarische Landwirtschaft

In den 1990er Jahren verlor Landwirtschaft immer mehr an Bedeutung und viele Landwirt*innen kämpften um ihre Existenz1,2. So wurde auch der Bauernhof in Dortmund-Derne, welcher über mehrere Generationen geführt wurde, 1999 aufgegeben. 2009 kamen Elmar Schulte-Tigges und seine Frau Miriam zurück auf den familiären Bauernhof und übernahmen diesen im Jahr 2013. Dabei hatten sie zum Ziel, einen Lernbauernhof zu errichten, um Kindern das Erkunden auf dem Hof zu einem achtsamen und nachhaltigen Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen zu ermöglichen. Eine Frage die sich die beiden zudem stellten, war wie die regionale Landwirtschaft trotz der Unsicherheit und hohen Konkurrenz aus dem Ausland am Leben gehalten werden kann? Miriam und Elmar, beide zu dem Zeitpunkt noch in der Forschung in den Bereichen Pädagogik, Geographie und Nachhaltigkeit tätig, hatten eine erste Idee. Als sich 2014 eine Gruppe in Dortmund gründete, die einen Bauernhof suchte, der solidarische Landwirtschaft betreiben wollte, erkannten Elmar und Miriam darin eine Chance, ihr Konzept auf breitere Beine zu stellen. So wurde aus den stillgelegten und verpachteten Feldern durch die Mitarbeit engagierter Bürger*innen die SoLaWi Kümper Heide Dortmund3.

Exkurs: Solidarische Landwirtschaft

Das Konzept solidarischer Landwirtschaft besteht darin, landwirtschaftlich gewonnene und selbst verarbeitete Lebensmittel in eigenen Wirtschaftskreisläufen anstatt über den Markt zu vertreiben4. Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluss von landwirtschaftlichen Betrieben und Gärtnereien mit Verbrauchern*innen aus privaten Haushalten4. Die Verbraucher*innen finanzieren die Ernte im Voraus durch einen festgelegten monatlichen Betrag6. Im Austausch dazu erhalten sie saisonales Obst und Gemüse oder je nach Konzept verarbeitete Produkte wie Brot oder Käse4.

Ein Vorteil des Konzeptes ist es, dass – durch den Wegfall des Wettbewerbs – Produzent*innen anstelle von Quantität mehr auf Qualität und Nachhaltigkeit setzen können4. Sie haben einen fest bestehenden Kundenkreis und wechselseitige Verantwortung, sodass Sorgen um mögliche finanzielle Verluste fernbleiben können.

Letztendlich profitieren beide Parteien von der Solidarischen Landwirtschaft. Landwirt*innen sind nicht mehr von Subventionen und Marktpreisen abhängig und für sie besteht nicht die Notwendigkeit, Felder, für mehr Ernte, zu überlasten4. Die privaten Käufer*innen erhalten regional geerntete und hergestellte Lebensmittel und durch die Mitwirkung bei der Ernte besteht der Zugang zu einem Erfahrungs- und Bildungsraum4.

2014 wurde von 40 SoLaWi-Standorten das bundesweite Netzwerk SoLaWi ins Leben gerufen. Im Jahr 2020 vernetzen sich darüber bereits 300 Initiativen3.

SoLaWi Dortmund

Auf den Feldern der SoLaWi Dortmund werden 50 verschiedene Arten von Gemüse angepflanzt und zukünftig sollen auch Hühner gehalten werden3. Mit dem angebauten Gemüse werden knapp 200 Haushalte in und um Dortmund herum versorgt3,5. Seit Beginn arbeitet die SoLaWi mit den Mitgliedern also Verbraucher*innen eng zusammen. So können Wünsche der Verbraucher*innen direkt aufgenommen werden. Auch mit anderen Bio-Landwirt*innen und lokalen Nachhaltigkeitsakteuren bestehen Netzwerke3.

Neben der solidarischen Landwirtschaft befindet sich nach wie vor der Lernbauernhof auf dem Grundstück. Im Lernbauernhof haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, Tiere und Pflanzen kennenzulernen6. Im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sollen dadurch jüngeren Menschen natürliche Grundlagen der Produktion von Lebensmitteln nähergebracht werden6. Dazu bietet die SoLaWi Dortmund praxisnahe Lernprogramme für verschiedene Gruppen wie Schulen, Kindergärten oder Privatgruppen7 – und kann damit in unserem Verständnis auch als gläserne Produktion bezeichnet werden.

 

Produktionsort

Der Bauernhof der SoLaWi Dortmund liegt in der nördlichen Peripherie im Stadtteil Derne. Die Umgebung ist von landwirtschaftlichen Nutzungen geprägt3.

Elmar und Miriam entschieden sich, den Hof zu übernehmen – und somit Wohnen und Arbeiten an einem Ort zu verbinden. Auch die Infrastruktur vor Ort war ein Kriterium, denn in der Nähe des Bauernhofes befindet sich eine Bushaltestelle, welches die ÖPNV-Anbindung sichert.

Von insgesamt 26 Hektar Fläche werden aktuell zwei Hektar von der SoLaWi Dortmund für Gemüseanbau verwendet3. Um noch mehr Fruchtgewinn zu erzielen und die Anteile der SoLaWi zu erhöhen, soll die Gemüseanbaufläche um weitere zwei Hektar vergrößert werden3. Weitere Flächen sind z. T. noch an andere Landwirt*innen verpachtet3.

 

Organisationsstruktur

Die SoLaWi Dortmund hat sich zunächst als gemeinnütziger Verein 2013 gegründet, um einen Gärtner einstellen zu können. 2017 ist die Trägerschaft dann in das Einzelunternehmen des Lernbauernhofs-Schulte-Tigges übergegangen3. Der Verein unterstützt seitdem die ideelle Verbreitung und politische Verankerung der Thematik der regionalen Lebensmittelversorgung und Ernährungssouvernänität3. Alle notwendig gewordenen Anschaffungen wurden eigenkapitalfinanziert oder durch die Solidargemeinschaft in Form von Mitglieds-Darlehen vorgestreckt.3 Fördermittel wurden bisher keine beantragt. Für die Ernte, Organisation und Bildungsangebote sind neben Elmar und Miriam noch weitere vier Mitarbeitende, vier freiwillige Helfer*innen des Freiwilligen Ökologischen Jahrs (FÖJ) und zwei Praktikant*innen tätig3. Die Mitarbeitenden und Helfer*innen besitzen unterschiedliche Qualifikation und kommen aus verschiedenen Berufsfeldern, was zu gegenseitigen Ergänzung beiträgt.

 

Nachhaltigkeit und zukünftige Planung

Neben dem Aspekt der regionalen Produktion spielt Nachhaltigkeit bei der SoLaWi Dortmund eine große Rolle. Es wird versucht, so wenig Müll wie möglich zu produzieren und vieles wiederzuverwenden3. Nicht-abgeholtes Gemüse wird z. B. an einen Unverpacktladen in Dortmund weitergegeben, sodass nichts weggeworfen werden muss3. Für die SoLaWi-Anteile werden Abholgruppen organisiert, um den Lieferverkehr zum Hof zu verringern3. Zukünftig sollen noch weitere umweltschonende Alternativen auf dem Hof geschaffen werden, wie der Umstellung auf erneuerbare Energie und E-Mobilität inkl. Ladesäule3.

Neben der Vergrößerung der Anbaufläche sind ein Bauernhof-Kindergarten und eine Erweiterung der Bildungsprogramme in Überlegung3.

 

Fazit

Die SoLaWi Dortmund zeigt, dass landwirtschaftliche Betriebe auch ohne Zwang zur Profitmaximierung funktionieren können. Dies ist durch lokale gemeinschaftliche Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung möglich. Durch das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft lernen Menschen wieder mehr über die Herstellung von Nahrungsmitteln und die Landwirt*innen sind finanziell abgesichert4. Somit bildet es eine Bildungs-, Nahrungs- oder Unterhaltsquelle für die Beteiligten.

Autorinnen: Kerstin Meyer & Santhiya Vanajanathan, Institut Arbeit und Technik (15.05.2020)

Quellen:

 

 

  • 3Gespräch vom 10.06.2020 mit Miriam, Betriebsleitung / SoLaWi Dortmund