Ruhrmühle Feine Bio Öle - eine echte Manufaktur

Steckbrief

Tannenstr. 46, 46238 Bottrop

Typ Urbaner Produktion: Urbane Manufaktur

Produkte: Bio-Öle und weitere Genussmittel

Gründung: 2018

Gründer*innen: Christoph Gläßer

Rechtsform: Einzelunternehmen

Beschäftigte: 1

Standort: ehem. Wohnhaus in einem Allgemeinen Wohngebiet im Stadtteil Bottrop-Batenbrock

Kontakt: info@Ruhrmuehle.de
Tel.: 02041 4623127

Website: https://ruhrmuehle.de/

das Gebäude des Standortes von RUHRSOURCE
das Gebäude des Standortes von RUHRSOURCE
Dominik Halm, einer der Gründer von RUHRSOURCE
Die Ausgangslage

Bereits beim Eintreten in die Betriebsräume der Ruhrmühle Bottrop werden die Produktionsprozesse und unterschiedlichen Verfahrensabläufe für die Herstellung von Bio-Öl für die Kund*innen und interessierten Besucher*innen sichtbar und erlebbar. Dabei deutet von außen lediglich die Beschilderung daraufhin, dass sich in dem ehemaligen Wohnhaus im Stadtteil Bottrop-Batenbrock mittlerweile eine echte Bio-Öl-Manufaktur versteckt. In dieser stellt Inhaber Christoph Gläßer nun seit mehr als 3 Jahren aus unterschiedlichen Saaten natives Bio-Speiseöl her und achtet hierbei sehr genau auf die Qualität des Saatgutes sowie auf ein schonendes Kaltpressverfahren ohne anschließende Filterung, damit alle wichtigen Inhaltsstoffe im Öl erhalten bleiben. Das Wissen über diese Abläufe, die Saat und die Weiterverarbeitung hat sich der ehemalige IT-Projektmanager selbst angeeignet. Inspiriert wurde er damals durch einen Beitrag über die Ölmühle Schönefeld in Münster im Rahmen des WDR-Formates Lecker an Bord. „Vorher hatte ich nichts mit Ölen am Hut. Ich habe wie die meisten anderen auch einfaches Olivenöl im Supermarkt gekauft“1, gibt Gläßer offen zu. Seither ist sein Interesse für die Vermarktung und Herstellung von Ölen aus eigener Hand stetig gestiegen: „Ein Produkt in den Händen zu halten, dass man selbst produziert hat, ist wesentlich schöner als irgendwelche Projektnutzen zu generieren“. 2

Produktionsstandort

Der Betriebsstandort der Ruhrmühle Feine Bio Öle liegt direkt neben dem Wohnhaus von Christoph Gläßer in einem Allgemeinen Wohngebiet und umfasst einen Betriebsraum samt Ölmühle sowie einen kleinen Versand- und Lagerraum. Die Räumlichkeiten dienen darüber hinaus jeden Mittwoch von 16 bis 19 Uhr als Ladenlokal mit Showroom. Zu diesen Zeiten können Kund*innen sich von der Herstellung und Qualität der Ware überzeugen, ihre gekauften Gebinde wiederbefüllen lassen oder neue Produkte erwerben. Aber auch außerhalb der Öffnungszeiten ist Gläßer nach vorheriger Terminabsprache für die Wünsche der Kund*innen da. „Wenn ich hier bin und die Rollladen oben sind, dann können sich die Leute auch sicher sein, dass ich die Tür aufmache“1, verrät Gläßer. Angrenzend an die Produktionsstätte befindet sich außerdem eine alte Scheune, die ursprünglich als Produktionsstandort für die Ölherstellung angedacht war. Allerdings besteht hier nach wie vor die Problematik, dass mitten durch die Scheune eine Baugrenze verläuft und somit die Baugenehmigung für eine Ölmühle zunächst versagt wurde. Mittlerweile ist diese Entscheidung revidiert worden, wodurch eine Nutzung der Scheune als Produktionsraum heutzutage möglich wäre. Allerdings ist Gläßer mit der aktuellen Situation und der Betriebsgröße zufrieden, sodass eine Standortverlagerung derzeit für ihn nicht in Frage kommt. Nicht nur bei der Nutzung der Scheune, sondern auch im Zuge der Umwidmung des Wohnhauses sind Gläßer die bürokratischen Herausforderungen aufgezeigt worden. Denn aufgrund der Lage in einem Allgemeinen Wohngebiet musste er zunächst eine Ausnahmegenehmigung für stilles Gewerbe erwirken. Ferner erhielt Gläßer die Auflage, dass ein Großteil seiner Produktionsmengen, aufgrund der fehlenden Barrierefreiheit, über einen Online-Shop vermarktet werden muss. Eigentlich war ein Online-Shop gar nicht angedacht, doch mittlerweile schätzt Gläßer die Mischung aus direktem Kund*innenkontakt und Internetpräsenz.

Produkte, Nachhaltigkeit und Ressourcenverwertung

In den vergangenen Jahren hat sich die Produktpalette der Ruhrmühle Feine Bio Öle immer weiter ausgeweitet. Mittlerweile können die Kund*innen neben klassischen Produkten wie Sonnenblumenkernöl und Sesamöl auch unbekanntere Öle z. B. Leindotteröl oder Schwarzkümmelöl in Bioqualität erwerben. Zusätzlich bietet Gläßer neben seinen Ölen auch einen hauseigenen Senf sowie eine selbsthergestellte Tomatensauce an. Der Senf ist ein ZERO-Waste Produkt, der aus den beim Pressen von Senföl anfallenden Senfpresskuchen hergestellt wird. Damit ist eine 100%ige Ressourcenverwertung verwirklicht. Angestoßen wurde die Herstellung und Vermarktung dieser Produkte durch eine Kooperation mit dem Landschaftspark Duisburg-Nord. Dort war man zu dieser Zeit auf der Suche nach originalen Ruhrgebietsprodukten, um diese geschlossen vorzustellen und die Sensibilität für Erzeugnisse aus dem Pott zu erhöhen. Passend dazu wurde der Senf in Scharfer Kumpel umbenannt und die Tomatensauce fortan als Steigerblut vermarktet. „Die Produkte kommen super an“, schwärmt Gläßer und führt weiter aus: „Eigentlich sind die Saucen nicht der Hauptfokus des Unternehmens werden aber immer mehr von den Kund*innen nachgefragt.“1 Können die Nebenprodukte aus der Ölherstellung nicht für die Weiterverarbeitung beispielsweise die Vermahlung zu Senf- oder Leinmehl genutzt werden, so profitieren nahgelegene Pferdehöfe sowie ein Schweinebauer von den zurückbleibenden Presskuchen. „Es landet hier nichts in der Tonne“1, verkündet Gläßer bei der Vorstellung dieses Ansatzes stolz.

Netzwerke

Seit der Gründung der Ruhrmühle Bottrop im Jahr 2018 haben sich für Christoph Gläßer fortwährend neue Kooperationsmöglichkeiten ergeben, durch welche er mittlerweile sowohl lokal als auch regional gut vernetzt ist. Von besonderer Bedeutung ist hierbei die Zusammenarbeit mit Landwirt*innen aus der Region, die das Rohmaterial für seine Öle zur Verfügung stellen. „Zwar ist es schwer Biosaatgut aus der direkten Umgebung zu erwerben, dennoch versuche ich im Rahmen meiner Möglichkeiten regionale Produkte zu beziehen“, erklärt Gläßer.1 So stammen beispielsweise die Senf- und Rapskörner von einem Bioland-Hof in Witten, die Hanfsamen aus Arnsberg und der Leindotter aus Minden. Nur wenige der Rohmaterialien werden aufgrund der Anbaubedingungen aus dem Ausland importiert. Auch bei der Vermarktung setzt der Inhaber zumeist auf bestehende Netzwerkstrukturen im Ruhrgebiet. Unter anderem beliefert die Ruhrmühle Bottrop zusammen mit dem Trüffelwerk Recklinghausen und dem Milchhof Billmann aus Waltrop insgesamt 10 Marktschwärmereien, wovon mit Ausnahme des Standortes in Köln alle in unmittelbarer Nähe zum Produktionsort liegen. Zudem engagiert sich der Ölmüller für die Sensibilisierung der Bevölkerung bezüglich der regionalen Lebensmittelherstellung, in dem er Seminare an der Volkshochschule Bottrop gibt und aktiv im Arbeitskreis Netzwerk – Gute Lebensmittel im Revier mitwirkt. Im Rahmen dieses Netzwerkes wird z. B. seit 2017 regelmäßig ein Tag der guten Lebensmittel organisiert.3

Die Zukunft

„Ich will so produzieren, dass ich weiterhin Spaß an der Herstellung meiner Produkte habe“1, lautet die Antwort von Christoph Gläßer auf die Frage, ob er in Zukunft vor hat den Betrieb weiter auszubauen. Zwar seien die Kapazitäten vorhanden und auch die Nachfrage erlaube eine Betriebserweiterung, doch den zusätzlichen Stress, der mit diesem Vorhaben verbunden wäre, will sich der Inhaber nicht mehr antun. „Ich muss, darf und möchte das kleine Unternehmen weiterhin selbst im Griff haben“1, so Gläser abschließend.

Fazit

Christoph Gläßer und seine Ruhrmühle Feine Bio Öle sind ein interessantes und in vielerlei Hinsicht besonderes Beispiel für Urbane Produktion. Zum einen zeigt das relativ junge Unternehmen die planungsrechtlichen Herausforderungen auf, die mit einem derartigen Produktionsstandort verbunden sind. Zum anderen veranschaulicht die Entwicklung der Ruhrmühle die Vorteile Urbaner Produktion bezogen auf Kunden*innennähe und Netzwerkbildung.

Autor: Kai Heumann, Hochschule Bochum 

 

Quellen:

1Gespräch mit Christoph Gläßer am 28.09.2021, geführt von Hanna Pfeifer und Kai Heumann (Hochschule Bochum)

2 WDR (19.07.2021): „Lecker an Bord“ – die kulinarische Sommerreise 2020. Kulinarische Schätze rund um Oberhausen. Abgerufen von: https://www1.wdr.de/fernsehen/lecker-an-bord/sendungen/kulinarische-schaetze-rund-um-oberhausen-100.html

3Slow Food Deutschland e.V. (2021): Netzwerk „Gute Lebensmittel im Revier“. Abgerufen von: https://www.slowfood.de/slow_food_vor_ort/essen/netzwerk_gute_lebensmittel