Kugelpudel

Eismanufaktur und Café mit Wohnzimmerflair

Steckbrief

Produktionsstätte und Hauptsitz

Dorstener Str. 1, 44787 Bochum

Typ urbaner Produktion: Eismanufaktur

Produkte: Eis, weitere selbstgemachte Speisen und Getränke

Gründung: 2014

Beschäftigte: ändert sich saisonal, Kernteam Dorstener Straße: 5-6 Mitarbeiter*innen

Kontakt:

Inhaberin: Julia Bernecker

Webseite: https://www.kugelpudel.com/

Facebook: https://de-de.facebook.com/Kugelpudel

Instagram: https://www.instagram.com/explore/locations/53386281/kugelpudel/?hl=de

Fotos (C): Julia Bernecker

Kugelpudel

Der Kugelpudel mit seiner gemütlichen Hauptfiliale in der Dorstener Straße hat etwas von einem Wohnzimmer. Vielleicht ist das ein Grund, warum sich hier Gäste und Mitarbeiter*innen fast wie Zuhause fühlen und gerne einige Zeit verweilen. Die Inhaberin Julia Bernecker eröffnete diese Filiale in 2014, nachdem sie bereits zwei Jahre zuvor einen ersten Laden mitgegründet hatte.

Für Julia war die Gründung des Kugelpudels eine Erfahrung, durch die sie merkte, sie kann etwas mitbewirken. Sie selbst sieht sich als Macherin und konnte bisher viel ausprobieren und ist stetig dabei, neue Wege zu finden.

(Eis-) Produkte

Im Kugelpudel gibt es verschiedene, größtenteils selbstgemachte (vegane?)  Getränke und Speisen – von Eis und Kaffee bis zu warmen Gerichten und Limonade. In der Dorstener Str. in Bochum wird auch das Eis selbst hergestellt und an die anderen Kugelpudel Filialen in Bochum, Dortmund und Hattingen geliefert. Im Normalfall wird während der Eissaison täglich produziert, während der Covid19-Pandemie oft auch nur jeden zweiten Tag.

Standort

Der Standort in der Dorstener Str. erinnerte Julia an Berlin und ihre eigenen Gastronomieerfahrungen. Hier treffen unterschiedliche Kulturen aufeinander und in der Nähe des Ladenlokals sind oftmals wenige Frauen zu treffen. So war der Start dort nicht unbedingt einfach, doch bereut hat sie es nicht. Die Menschen sind herzlich und die Miete ist günstig für eine solch zentrale Lage. Auch die KoFabrik um die Ecke ist ihr zufolge eine tolle Sache. Weiterhin ist für den Kugelpudel von Vorteil, dass es eine eher alternative Ecke ist, wobei weitere alternative Läden gewünscht wären. Auch mit Blick auf viele leerstehende Ladenlokale, die nicht alle eine günstige Miete haben, erscheint Julia dies sinnvoll. Nachteil der Lage ist, dass es nicht autofrei ist und wenig Möglichkeiten zum komfortablen Aufenthalt im Freien gibt.

Weitere Nutzungen

Neben dem Normalbetrieb als Bar und Café kann das Ladenlokal auch für Hochzeitsfeiern, sonstige Feste, Ausstellungen oder Lesungen genutzt werden. Julia ist recht offen für alternative Ideen und unterstützt gerne Menschen mit Ideen. Auch ein veganes Frühstückcafé wurde hier schon von außerhalb organisiert.

Entwicklung in der Zeit der Covid19-Pandemie

Da im ersten Quartal 2020 die Eissaison noch nicht begonnen hatte, waren noch nicht so viele Mitarbeiter*innen eingestellt, die oftmals saisonal arbeiten. Aus diesem Grund mussten zunächst keine finanziellen Fördermittel beantragt werden. Auch das derzeitige Eigenkapital reicht vorerst aus, wobei der Blick auf den Winter die Frage aufwirft, inwieweit es bis dahin ausreicht.

Eine Frage, die die Inhaberin Julia besonders  bewegt ist, wie sie das Unternehmen nachhaltiger gestalten kann. Eine Herausforderung während der Pandemie war und ist, dass es im Kugelpudel mehr Einweg gibt, da keine gut übernehmbaren Pfandsysteme vorhanden sind. Hintergrund für den vermehrten Einweg-Einsatz  sind die Hygienemaßnahmen im Zuge der Covid19-Pandemie, auf die das Kugelpudel-Team großen Wert legt. Darüber hinaus ist der Fokus darauf gerückt, nach Abnehmern für das Kugelpudel-Eis zu suchen.

Gedanken und Visionen der Gründerin

In unserem Interview teilt Julia mir mit, dass sie viele weitere Ideen hat und gerne einfach Dinge macht. Das „einfach machen“ will sie gerne weitergeben, weil sie viel Perspektivlosigkeit wahrnimmt. Eine Idee, die über die Eisdiele hinausgeht, ist die Gründung eines Supermarktes, der als Genossenschaft organisiert ist. So könnten biologische und fair hergestellte Lebensmittel möglichst unverpackt in verschiedenen Mengengrößen von Genossenschaftsmitgliedern nahezu zum Einkaufspreis übernommen werden. Und im Falle von Gewinnen könnten diese wiederum lokal für die Lebensraumgestaltung genutzt werden anstatt in privaten Taschen zu verschwinden. Weitere Ideen hat sie zu Themen wie lebenswertem Wohnraum, alternativen Energien oder im Umgang mit Mitarbeiter*innen.

So sieht sie es als wichtig an, dass wir uns alle da selber mit drum kümmern und Orte schaffen, an dem sich Menschen als Menschen begegnen können. Als Inhaberin des Kugelpudels legt sie so großen Wert auf einen Umgang auf Augenhöhe, gerade auch, weil sie die in Teilen fragwürdigen Arbeitsbedingungen in der Gastronomie selbst kennengelernt hat. So weiß sie über die Knochenarbeit Bescheid, die hinter einem Job in dieser Branche steckt und dem sie selbst teilweise kaum Geld verdient – mittlerweile habe sich das bei ihr aber zum Glück etwas gebessert.

Antreiben tun sie ihre Visionen und gleichzeitig ihr Eindruck und Wut darüber, dass in unserem gesellschaftlichen  System einiges falsch läuft: sei es, dass sie selbst nicht krankenversichert sein konnte, oder als kleiner Betrieb mit bürokratischem Aufwand zu kämpfen hat. Auch hierzu hat sie Ideen: So könnten ihrer Meinung nach Kassensysteme, die direkt mit dem Finanzamt verbunden sind, Arbeit sparen und vereinfachen oder simple Steuersysteme. In Bochum fehlt ihr teilweise auch Mut, Dinge wie eine verkehrsfreie Innenstadt oder teure Mieten anzugehen.

Auch, dass viele Menschen weniger Freizeit haben, mehr arbeiten, Kinder im Kindergarten und die älteren Menschen im Seniorenheim ‚abgegeben‘ werden, macht sie nachdenklich. Sie sieht das und den Druck, dem viele von uns im Alltag unterliegen und fragt sich, wie wir raus aus Verhältnissen kommen, die uns stark unter Druck und unmenschliche Bedingungen setzen. Und im nächsten Satz wieder die Frage: Was kann ich / können wir selber (anders) machen?

Unterstützt fühlt sie sich von einer Reihe von Menschen, einer Art Familie in Bochum, die aus unterschiedlichen engagierten Menschen bestehen, die Lust haben etwas zu verändern.

Blick in die Zukunft

In der Zukunft wünscht sich Julia weniger Autos in der Stadt, mehr Möglichkeiten zum Aufenthalten und alternative Konzepte, die in Leerständen ausprobiert werden können. in Ihrem eigenen Leben schweben ihr einerseits Gedanken wie die Gründung eines Genossenschaft-Supermarktes, die Produktion eigener Lebensmittel wie Pflanzenmilch oder ein lokaler Lieferdienst vor. Andererseits spürt sie gerade auch den Wunsch, etwas zurückzufahren, den eigenen Rhythmus angenehmer zu gestalten und die Energie auf das auszurichten, was ihr wichtig ist wie Menschlichkeit, Freizeit und soziale sowie ökologische Themen – im privaten wie im beruflichen.

Fazit

Der Kugelpudel als Ein-Inhaberin geführtes Unternehmen bietet neben selbst gemachtem Eis aus qualitativ hochwertigen Zutaten den Menschen, die dort arbeiten und zum Speisen herkommen, einen Ort, der einlädt zum verweilen und träumen. Das scheint nicht zuletzt durch Gründerin Julia beeinflusst zu werden, deren Tatkraft und Zukunftsträume hiereinfließen.

Quellen

Interview mit Julia Bernecker am 26. Mai 2020, geführt von Hannah Brack