KoFabrik

Alte Räume gemeinschaftlich neu beleben

Steckbrief

Stühmeyerstraße 33, 44787 Bochum

  • Typ Urbaner Produktion: Umnutzung (einer ehemaligen Eisenhütte)
  • Produkte: Veranstaltungen, Quartiersgarten, Café, Bereitstellung von Büros und Gemeinschaftsräume
  • Gründung: 2018 (Erbbaurechtsvertrag für das Grundstück mit Stadt Bochum)
  • Gründer: Projekt von Urbane Nachbarschaft Imbuschplatz gGmbH (UNI)
  • Rechtliche Rahmenbedingungen/Rechtsform: gGmbH
  • Beschäftigte: Keine Angabe

Foto (C) Alexander Schneider, Simon Veith, Tina Bergs und Volker Wiciok

Der neue Treffpunkt im Quartier

Die KoFabrik wird zum neuen Treffpunkt im Stadtteil Gleisdreieck in Bochum. Bei der KoFabrik handelt es sich um die Umnutzung einer ehemaligen Eisenhütte in Bochum1,2,3, welche durch die Montag Stiftung Urbane Räume (https://www.montag-stiftungen.de/ueber-uns/montag-stiftung-urbane-raeume) initiiert wurde. Ziel ist es, das zuletzt zum Großteil leerstehende Industriegebäude zu erhalten und entsprechend heutiger Bedarfe zu sanieren und umzubauen. Es sollen Räume für kleine Werk- und Produktionsstätten, Büros, Ateliers, Gastronomie und nachbarschaftliche Begegnungen entstehen. Durch die aktive Nutzung des Gebäudes soll wieder Leben ins Quartier gebracht, Nachbarschaft gestärkt, gemeinsam Projekte realisiert und Räume für Macher*innen, die das Quartier mitgestalten, geschaffen werden1. Dadurch soll sich die Umgebung um die KoFabrik als zukunftsfähiges und vielfältiges Wohngebiet entwickeln1. Zielgruppe für die Gebäudenutzung sind Start-ups, Kreative, Freiberufler*innen und kleinere Unternehmen mit Engagement für das Viertel3. Das umgesetzte Konzept und das Gebäude sollen als mittelfristiges Ziel an eine örtliche Trägerinstitution übergeben werden, welche das Gebäude im Interesse der Nachbarschaft weiterführt1.

Standort

Die KoFabrik befindet sich in der Bochumer Innenstadt (Stadtteil Gleisdreieck), im Quartier Imbuschplatz. In der Umgebung des ehemaligen Industriegebäudes befinden sich hauptsächlich Mehrfamilienhäuser. Die KoFabrik stellt einen Mittel- und Treffpunkt des Viertels dar.

Das zweigeschossige Gebäude umfasst 2000 qm Fläche. Vor dem Gebäude befindet sich eine Grünflache der Stadt Bochum, welche mittels eines Gestattungsvertrags von der KoFabrik für und mit der Nachbarschaft als Quartiersgarten bespielt wird.

Struktur und Organisation

Die Montag Stiftung Urbane Räume und die Stadt Bochum kooperieren für eine gemeinwohlorientierte Quartiersentwicklung rund um die Immobilie Stühmeyerstraße 33. Dabei wird das Grundstück im Rahmen eines Erbbaurechts, inklusive des Erlassens des Erbbauzinses bei einer gemeinnützigen Nutzung, von der Stadt bereitgestellt. Die Umsetzung erfolgt durch die 2018 von der Montag Stiftung gegründeten Projektgesellschaft Urbane Nachbarschaft Imbuschplatz (UNI) gGmbH vor Ort. Nach der initialen Investition für Um- und Ausbau wird auch der Betrieb der KoFabrik durch die Vermietung der Büro- und Arbeitsbereiche im Gebäude durch die gemeinnützige GmbH gewährleistet. Dabei fließen alle erwirtschafteten Überschüsse in soziale und kulturelle Projekte im Viertel1,2. Zusätzlich sind die Mieter*innen der Räumlichkeiten mietvertraglich verpflichtet, eine Stunde ehrenamtliche Leistung pro angemietetem Quadratmeter pro Jahr zu leisten5. Durch diese Konzepte wird nicht nur eine dauerhafte Finanzierung, sondern auch Zeit und Know-how von engagierten Menschen für die Quartiersentwicklung gesichert.

Seit März 2019 steht ein Projektfonds mit 5000 € pro Jahr zur Verfügung. Daraus werden Sachkosten für ehrenamtliche Projekte und Aktivitäten von der Nachbarschaft für die Nachbarschaft finanziert. Welche Projekte eine Förderung erhalten wird von einer Jury, bestehend aus Bürger*innen aus der Nachbarschaft, entschieden. 6

Angebot

Die KoFabrik umfasst die Quartiershalle (vormals KoWerk), KoBüros, Pionierhaus, das ehemalige Magazin, das Projektbüro und den Quartiersgarten.

  • Das Pionierhaus:

Das Pionierhaus ist der erste und seit 2019 realisierte Bauabschnitt. Es besteht aus vier Räumen mit jeweils rund 140 qm Fläche3 mit unterschiedlichen Mieter*innen und Nutzungskonzepten8.

    • „STÜH33″ ist ein Co-Working-Space, der einzelnen Arbeitsplätze aber auch den gesamten Raum für Workshops und Veranstaltungen vermietet9.
    • Das „mitwerk“ ist eine Arbeits-WG für Selbständige, in der mehrere Freiberufler*innen der verschiedensten Branchen ihre Schreibtische oder kleine Büros eingerichtet haben9.
    • Das „ko-labor“ bietet einen offenen Raum als Kurs-, Proben-, Performance- und Ausstellungsort der auch für einzelne Workshops oder Veranstaltungen angemietet werden kann9.
    • Ein weiterer Raum wird durch einen Zusammenschluss von Gestaltern und Kreativen genutzt.
  • Das ehemalige Magazin wird zum STÜHCafé:

Das ehemalige Magazin der Eisenhütte im Erdgeschoss ist ebenfalls umgebaut und entwickelt. Dort hat das STÜHCafé im Sommer 2020 seinen Betrieb aufgenommen. Der Raum soll dabei nicht nur ein Café, sondern auch Begegnungsort und Arbeitsplattform für gemeinsame Aktivitäten der Nachbarschaft sein.10

  • Projektbüro:

Dort befindet sich das Büro und Besprechungsraum der UNI gGmbH, Ansprechpartner*innen der KoFabrik11.

  • Quartiershalle:

In der Quartiershalle entsteht ein neuer Gemeinschaftsort für die Menschen aus dem Quartier rund um den Imbuschplatz und aus Bochum. Sie soll als Plattform für kreative Raumnutzung dienen, als Ort für Dienstleistungen oder Vereinstreffpunkt, alle „sollen und dürfen sich in der Quartiershalle ansiedeln, jeweils einen der Spielräume in Beschlag nehmen und den umgebenden Raum für sich erobern“7. Die Halle soll ab 2021 benutzbar sein8.

  • KoBüros:

Ab 2021 sollen nach Aufstockung des Eckgebäudes die ausgebauten Büroflächen für kooperatives Arbeiten zur Verfügung gestellt werden8. Mieter*innen mit besonderen Nutzungs- und Betriebskonzepten mit Bezug zum Quartier und zum „Geist“ des Projektes für die Flächen werden über eine Ausschreibung gesucht.

  • Quartiersgarten:

Auf der öffentlichen Grünfläche zwischen Westring und Stühmeyerstraße ist seit 2019 ein Quartiersgarten entstanden. Eine kleine Bühne, vielfältige gestalterische Interventionen mit Angeboten zum Begegnen und schließlich die von Nutzer*innen des Pionierhaus auf die Beine gestellte Veranstaltungsserie „Sommer auf dem Imbuschplatz“ haben dem bisherigen Unort zunehmend den Charakter eines grünen Wohnzimmers im Quartier gegeben. Eine Teilfläche mit mehreren 9 qm großen Parzellen wurden zudem als „eigenes Land auf Zeit“ temporär an Interessierte vermittelt, die nun den Sommer über hier gärtnern, gestalten oder inszenieren4.

Nächsten Schritte

Die erste Bauphase des Projektes ist bereits abgeschlossen6. Parallel zum Umbau wurden auch die ersten Projekte und Nachbarschaftsversammlungen umgesetzt. Aktuell wird der Ausbau und die Vermietung der verbleibenden Gebäudeteile für die Erstnutzung 2021 umgesetzt sowie Aktivitäten mit der Nachbarschaft organisiert6.

Fazit

Das Projekt KoFabrik verdeutlicht, wie durch Umnutzung und Bürger*innenbeteiligung die Qualität eines Quartiers verbessert werden kann. Die Nutzung und Renovierung von Brachflächen bietet viel Potenzial. Die KoFabrik ist ein gemeinnütziges Projekt, bei dem unternehmerisches Handeln und wirtschaftlicher Gewinn in den Standort fließen und davon das Gebäude und Viertel profitieren.

Kommunen und Investor*innen sollten prüfen, unter welchen Umständen es möglich ist, vorhandene Bauten weiter- und umzunutzen, welche Projektpartner*innen oder Investor*innen involviert und wie die Nachbarschaft in den Planungsprozess integriert werden können. So kann neben hoher Akzeptanz und Vielfalt auch ökonomische und soziale Teilhabe geschaffen werden.

Autorinnen: Kerstin Meyer & Santhiya Vanajanathan, Institut Arbeit und Technik (13.07.2020)

 

 

Quellen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • 10Instagram: @stueh33.cafe [Besucht am 29.06.2020]