HEi München

Haus der Eigenarbeit

Steckbrief

HEi

Typ Urbaner Produktion:
Handwerksbetrieb/Offene Werkstatt
Produkt:
Diverses: Metall-, Holz-, Polster-, Keramikarbeiten
Gründung:
1987
Standort:
Hinterhaus in gründerzeitlichem Quartier
Nähere Information unter:

Haus der Eigenarbeit

Mehr als eine Offene Werkstatt

Ausgangslage

Das Haus der Eigenarbeit existiert nun schon seit über 30 Jahren. 1987 begann eine wissenschaftlich begleitete Aufbauphase durch die Forschungsgesellschaft anstiftung. Gemeinsam mit der Stadt München sollte die offene Werkstatt entwickelt und finanziert werden, was seit 1995 der Fall ist. Auf 540 qm finden sich vier Werkstätten, Cafébereich und Büros in einem Hinterhausgebäude fünf Geh-Minuten entfernt vom Ostbahnhof in München.

Intention

Handwerkliche, soziale und kulturelle Produktion soll in einem gemeinschaftlichen Raum ermöglicht werden. „Sinnvolle psychisch, sozial und ökonomisch bereichernde Tätigkeiten in der erwerbsarbeitsfreien Zeit, eine Verbesserung der Lebenslage durch Eigenarbeit, produktive statt konsumtive Nutzung der freien Zeit“ waren und sind bis heute die Ziele der Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis. Da der Verein zur Förderung von Eigenarbeit e.V. gemeinnützig ist und Ziel die Förderung der Eigenarbeit ist, dürfen gewerbliche Nutzungen nicht oder maximal für die Prototypen-Entwicklung stattfinden.

Beliebte Kurse

Bei einem Angebot von über 30 Kursen durch 45 KursleiterInnen zieht die Holzwerkstatt seit Beginn der Werkstatt die meisten Menschen an. Aus einer rohen Bohle werden z. B. gemeinsam Hocker hergestellt. Auch der Maschinenkurs ist ein Dauerbrenner, um eine Einführung in die Maschinen zu erhalten. Sehr gut besucht sind die Keramik- und Polstereikurse. Neue Angebote sind Kurse zur Oberflächenbehandlung oder zum Fototransfer auf Holz. Das HEi passt sich so der sich wandelnden Nachfrage bedarfsgerecht an und entwickelt sich entsprechend weiter.

Mehrwert Offener Werkstätten für eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung

Sozial/Kulturell:

  • Raum der Begegnung und Integration ohne Konsumzwang: alle sozialen Gruppen werden erreicht und angesprochen
  • Inklusion psychisch belasteter Menschen in offenen Angeboten
  • Kooperation mit Bildungseinrichtungen, Jugend-, Kulturzentren
  • Nachwuchsförderung im Handwerk in Kooperation mit Schulen, Eltern-Kind-Kurse etc.
  • Bildungseinrichtung für alle
  • Sozialbetrieb: Beschäftigung von AGH-Kräften
  • Förderung der Nachbarschaft
  • Teilnahme im Tauschring: Möglichkeit des Bezahlens durch Talente

Ökologisch:

  • Sharing Economy: Werkzeuge und Maschinen teilen bzw. verleihen statt besitzen
  • Ressourcenschonung durch Repair Café (Reparieren statt Wegwerfen) und Upcycling (Weiterverwerten statt Wegwerfen)
  • Konsumverhalten hinterfragen (Qualität, Herstellungsbedingungen, Preis)

Ökonomisch:

  • Gemeinschaftliche Nutzung von Raum, Werkzeug und fachlichem Rat für eigene Produktionsideen
  • Lokale Ökonomie: Unterstützung und Werbung von lokalen HandwerkerInnen und VerkäuferInnen von Materialien
  • Innovationen
  • Niedrigschwelliger Ort für erste Vernissage von Künstlerinnen und Künstler
  • Lern- und Denkwerkstatt für neue Impulse

Urbane Produktion wird durch das HEi auch im Umfeld dadurch gefördert, da handwerkliche Leistungen durch die Erfahrungen, z. B. wie lange handwerkliche Tätigkeiten dauern können, vermehrt wertgeschätzt und in Anspruch genommen, HandwerkerInnen können vor Ort Kurse anbieten und sich ein Zubrot verdienen und lokale Ökonomie wird gestärkt, indem Materialien für Kurse so weit wie möglich aus der Umgebung bezogen werden usw.

Unterstützungsstrukturen

Die Hälfte des Jahresbudgets des HEi von 500.000 € erwirtschaftet es selbst durch Einnahmen aus dem Kursangebot, Werkstattnutzung, Werkzeugverleih oder Spenden. Die andere Hälfte wird durch das Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm (MBQ) des Referats für Arbeit und Wirtschaft (Beschäftigung von vier Personen durch Arbeitsgelegenheiten (AGH)) und das Kulturreferat (Finanzierung von kulturellen Veranstaltungen im HEi) der Landeshauptstadt München sowie die anstiftung gefördert.

Fazit

Das Haus der Eigenarbeit ist und unterstützt Urbane Produktion und gilt seit Jahren als ein erfolgreiches Modellprojekt, nach welchem sich andere Offene Werkstätten orientieren und (weiter)entwickeln. So sind zum Beispiel der Werkraum in Augsburg oder das Kempodium in Kempten entstanden. Im HEi wird nachhaltiger Lebensstil und postmaterielle Lebensqualität erfahrbar. Es findet eine erneute Wertschätzung von eigens hergestellten Produkten statt.