Fortsetzung und Erweiterung der urbanen Produktion in Nürnberg

Quartier

Steckbrief

90429 Nürnberg

Typ Urbaner Produktion: Nachnutzung einer Industriebrache; auf Quartiersgröße unterschiedlicher Nutzung, u. a. Manufakturen, Werkstätten

Produkt:  u. a. Kaffeerösterei, Motoren-Reparatur, Schmuckdesign, etc.

Gründung: Nachnutzung des brachgefallenen AEG-Geländes mit Gebäudebestand seit 2007/08

Standort: im Stadtteil Eberhardshof im Westen Nürnbergs, nahe der Stadtgrenze zu Fürth

Kontakt:
Bertram Schultze
Projektleitung Entwicklung Auf AEG
MIB Coloured Fields GmbH
Weißenfelser Straße 65 G
04229 Leipzig

Büro Auf AEG
Fürther Straße 244 – 254
Muggenhofer Straße 132 / 135
90429 Nürnberg
info@aufaeg.de

 

Auf AEG

Lage in der Stadt und im Quartier

Auf AEG liegt in der Nürnberger Weststadt, im Stadtteil Eberhardshof nahe der Stadtgrenze zu Fürth. Das Stadtbild der Weststadt ist durch städtebauliche Großformen geprägt, im Bereich der Stadtgrenze wesentlich durch die brach liegenden Gebäude und Flächen der Gewerbebetriebe AEG-Electrolux und Quelle. Hinzu kommt die Fürther Straße, eine mehrspurige Straße auf der auch eine Bahnlinie verläuft, die eine Barriere in der Weststadt darstellt. Produktion hat v. a. mit AEG eine lange Tradition in dem Stadtteil. Mit den großen, in den 2000er Jahren brach gefallenen Flächen, ergibt sich nun für die Weststadt eine Chance der Neuausrichtung.

Geschichte des AEG-Areals

Ab 1900 entstanden in der Nürnberger Weststadt, nördlich der Fürther Straße, Produktionsstätten, u. a. 1914 die Bing Werke, welche Blechspielzeug und Haushaltsgeräte produzierten. 1922 fusionierten diese mit dem Berliner Unternehmen Allgemeine Elektrizitäts Gesellschaft (AEG). In den 1930er Jahren gewann das Unternehmen, welches elektrische Haushaltsgeräte herstellte, immer mehr an Bedeutung und weitete seine Produktionsstätten in Nürnberg dezidiert aus.

Im 2. Weltkrieg produzierte die AEG vor allem Kriegsmaterial. 1945 wurde etwa die Hälfte der AEG Produktionsstätten in Nürnberg zerbombt, ab September 1945 begann aber auch schon der Wiederaufbau und die erneute Aufnahme der Produktion. Wie die nahe gelegene Quelle, war auch AEG eine Firma des Wirtschaftswunders – die elektrischen Haushaltsgeräte fanden viele, bereitwillige Abnehmer*innen in der Bundesrepublik der 1950er Jahre.

In den 1960er Jahren wurden das erste Mal Produktionsstätten ausgelagert, da sich das Flächenangebot am ursprünglichen Standort nördlich der Fürther Straße erschöpft hatte. Ab den 1970er zeichneten sich auch für die AEG wirtschaftliche Herausforderungen ab: 1978 geriet die Firma in eine Krise, welche eine Umstrukturierung erforderte, 15 Jahre später musste sie schließlich an die Schwedische Firma Electrolux verkauft werden.

In den frühen 2000er Jahren wurde die Produktion nach Polen verlagert und der Standort Nürnberg musste als Produktionsstätte aufgegeben werden. 2007 lief in Nürnberg die letzte Waschmaschine vom Band und das Werk wurde geschlossen.
Im gleichen Jahr kaufte die MIB Investitionsgesellschaft mbH das insgesamt 168.000 qm große Gelände auf und initiierte die Revitalisierung: Zuerst für den südlichen Teil, voraussichtlich ab 2022 auch auf dem nördlichen Teil. Dabei sollte eine neue Monostrukturierung vermieden werden und dem entgegen eine breites Spektrum von Mieter*innen einziehen. So entstanden Auf AEG bereits Büros, Handel, Produktion, Showrooms, Gastronomie sowie Kunst und Kultur, wobei Letztere v. a. als Zwischennutzung im nördlichen Bereich – bspw. im Bau 74 – angesiedelt waren und nach der Entwicklung wohl keinen Raum mehr dort finden werden. Die dort ansässigen Künstler*innen-Gemeinschaft fordert nun von der Stadt Nürnberg, dass mehr kostengünstiger Raum für Kunst- und Kulturschaffende in der Stadt bereitgestellt werden soll. Die Forderung wird wesentlich dadurch bestärkt, dass die Künstler*innen durch ihre Arbeit während der Zeit der Zwischennutzung das Image des AEG-Areals geprägt haben – wovon die Eigentümerin MIB profitiert. Außerdem bewirbt sich die Stadt Nürnberg als europäische Kulturhauptstadt. Die Bedeutung von Kunst und Kultur ist bekannt; Die Ansiedlung ist, auch für das Image der Stadt, gewollt. Gefördert wird diese jedoch zu wenig.

Auf AEG und die urbane Produktion

Der Südliche Teil des AEG-Geländes, gelegen zwischen der Muggenhofer und der Fürther Straße, wurde direkt im Anschluss an die Übernahme durch die MIB entwickelt. Baulich wurden einige Gebäude abgerissen und Flächen entsiegelt. Im Jahr 2019 befinden sich 35 Unternehmen auf dem Südgelände, u. a. die AEG-Mutter Electrolux, Forschungseinrichtungen und Hochschulen der Region (Friedrich-Alexander-Universität und Georg-Simon-Ohm-Hochschule), Siemens, Gastronomie sowie Kunst und Kultur.

Das nördliche Gelände (zwischen Muggenhofer Straße und Pegnitz Auen) soll frühestens ab 2022, nach Plänen des Kopenhagener Büros Gehl, entwickelt werden. Dabei soll ein urbanes Quartier mit Gewerbe und Wohnen entstehen, für mehr Aufenthaltsqualität soll das Gelände weiträumig entsiegelt werden. Die Entwicklung des Geländes markiert insbesondere für die Künstler*innen Auf AEG eine Zäsur, da ihre Zwischennutzung auf dem Gelände nach dem Umbau nicht verstetigt werden wird. Davon ist v. a. der Bau 74 betroffen, in dem an die 100 Künstler*innen Ateliers und Werkstätten betreiben. Diese fordern, unabhängig von der Entwicklung auf dem AEG Gelände, von der Stadt Nürnberg mehr bezahlbaren Raum für Kunst- und Kulturschaffende.

Bei Betrachtung der Mieter*innen-Struktur 2019 (vor der Entwicklung des Nord-Areals), zeigt sich die gewünschte Diversifizierung: zu den Mieter*innen gehören private und staatliche Forschungseinrichtungen (z. B. Friedrich-Alexander Universität, Georg-Simon-Ohm-Hochschule, Fraunhofer Institut, Helmholz- Institut), IT-unternehmen, Dienstleistungen wie Architektur- und Planungsbüros sowie Fotograf*innen, außerdem Galerien, Gastronomie und auch produzierendes Gewerbe. Zu letzterem gehören kleine und große Player: die Siemens AG – Energy Transition Transformers produzieren Fahrzeugtransformatoren und sind somit der größte Produzent auf dem Gelände. Weitere, wesentliche kleinere sind z. B. eine Kaffeerösterei mit angeschlossenem gastronomischen Betrieb, ein Raumausstatter (Raumwerk), ein Metallbauer- und Metallbildnermeister (Meister Robrock) und eine spezialisierte Motoren-Werkstatt (Yankee Motors GmbH).

Hauptakteure

  • Stadt Nürnberg
  • MIB Coloured Fields GmbH
  • Kulturschaffende, z.B. aus dem Bau 74, Kulturwerkstatt Auf AEG (KUF)
  • EU: Förderung in Teilbereichen auf Projektbasis (z.B. „Second chance“: Nachnutzung von industriebrachen durch Kunst und Kultur)

Fazit

„Auf AEG“ ist ein revitalisiertes Industriegelände. Das Gelände ist so groß, dass es ich dabei um ein eigenes urbanes Quartier handelt. Ziel der Revitalisierung ist es, eine Monostrukturierung der Nutzung zu verhindern. Für die Image-Bildung des Quartiers wurde v.a. auf Kunst- und Kulturschaffende gesetzt, die vermehrt in Zwischennutzungen auf dem Gelände tätig sind. Im südlichen Teil des Geländes haben sich verschiedene Unternehmen angesiedelt: Gastronomie, Büros, Dienstleistungen, Forschung und auch Produktion. Der Nördliche Teil wird mit Nutzungsmischung entwickelt: Wohnen und Arbeiten sollen hier nebeneinander entwickelt werden, dabei setzt das Kopenhagener Büro Gehl auf eine Gestaltung, die sich am menschlichen Maß orientiert, Erreichbarkeit sowie kurze Wege fokussiert und so ein Quartier mit viel Aufenthaltsqualität schafft. Die Entwicklung wird voraussichtlich 2022 beginnen, die Umsetzung bleibt zu beobachten

 

Autorin: Theresa Heitmann, Institut Arbeit und Technik (23.09.2019)

Quellen

Auf AEG (2019): Historie. Abgerufen von http://www.aufaeg.de/historie

Bock, Alexander (2019): Wohnen und Gewerbe. Der Masterplan für das AEG-Gelände. In: Nordbayern.de. Abgerufen von https://www.nordbayern.de/region/nuernberg/wohnen-und-gewerbe-der-masterplan-fur-das-aeg-gelande-1.9063699

Heintze, Alexander (2019): MIB Coloured Fields macht Auf AEG weiter. In: ImmobilienZeitung. Abgerufen von https://www.immobilien-zeitung.de/152007/mib-coloured-fields-macht-auf-aeg-weiter

 

Bilder abgerufen von http://www.aufaeg.de/presse