Acars Schneiderei für Damen und Herren

Steckbrief

Hochstraße 36, 44866 Bochum 

Typ der Produktion: Schneiderei, Handwerksbetrieb

Produkte: Änderungen und Reparaturen an Kleidungsstücken, Maßanfertigung, Verkauf von Damen- und Herrenbekleidung

Gründung: 1984

Gründer*innen: Acar Metin

Beschäftigte: 2, davon 1 Auszubildender

Standort: Bochum-Wattenscheid

Adresse: Hochstraße 36, 44866 Bochum

Kontakt: Tel.: 02327 81447

 

„Vom ersten Tag an war ich vom Schneiderberuf begeistert. Mir macht es einfach Spaß mit Klamotten und Stoffen zu arbeiten.“ Acar Metin

Ausgangslage und Anfänge des Schneiderbetriebs

Es war die Leidenschaft für die Arbeit mit Kleidung und Stoffen, die Metin für die Ausbildung zum Schneider begeisterte. Nachdem er seine Ausbildung zum Meister in der Berufsschule in Bochum erfolgreich abgeschlossen hatte, eröffnete er 1984 in der Hochstraße in Wattenscheid einen kleinen Schneiderbetrieb, den er vollständig selbst finanzierte. Ausschlaggebend für die Standortwahl seines Betriebs war neben der geringen Entfernung zu seinem Wohnstandort u. a. die Belebtheit und Attraktivität des Stadtteils. So hatten hier eine Vielzahl unterschiedlicher Geschäfte, Kneipen und auch ein Kino seinen Standort und es war schwierig, ein freies Ladenlokal zu finden. Weitere günstige Standortfaktoren, die Metin bis heute sehr schätzt, sind die zentrale Lage im Ruhrgebiet sowie die verkehrliche Anbindung durch die angrenzende Hauptstraße und die Nähe zur A40.

Als Metin schließlich seinen eigenen Betrieb eröffnen konnte, florierte dieser bereits nach kurzer Zeit. Größere Betriebsräume wurden benötigt. Die Bekanntschaft mit den Inhabern des gegenüberliegenden Juweliergeschäfts ermöglichte ihm, nach dessen Betriebsschließung, das größere Ladenlokal im Jahr 1987 zu mieten. Auf 85 m² befinden sich hier neben dem Kundenbereich im vorderen Teil des Ladens auch die Schneiderei sowie ein kleines Lager. Früher arbeitete Metin hier noch mit drei Angestellt*innen und zwei Lehrlingen zusammen, wobei sie auch Aufträge für drei große Kaufhäuser in Wattenscheid sowie 16 Boutiquen im Stadtteil übernahmen. Zu dieser Zeit kannten sich auch die verschiedenen Gewerbetreibenden in der Hochstraße untereinander, tauschten sich aus und setzten sich in einer Werbegemeinschaft gemeinsam für die Attraktivität des Stadtteils ein. So organisierte man etwa gemeinsam die Weihnachtsbeleuchtung.

Entwicklung und heutige Situation

Bis zum heutigen Tag habe sich die Situation im Stadtteil nur verschlechtert, erzählt Metin. Von den Geschäften, für die er anfangs Aufträge übernommen hat, sei keines mehr vorhanden und in den letzten Jahren habe sich keine Zusammenarbeit mehr mit lokalen Boutiquen ergeben. Heute übernimmt Metin nur noch Aufträge von Privatpersonen, wobei er seine Materialien aus NRW, Süddeutschland und Südeuropa bezieht. Insbesondere die Situation in der Hochstraße habe sich zum Negativen verändert, da sich die Gewerbetreibenden untereinander nicht mehr kennen und dadurch kein Zusammenhalt mehr bestünde. Auch habe sich das Publikum auf der Straße verändert und es herrsche eine unangenehme, anonyme Atmosphäre. Viele Immobilien in der Straße seien heruntergekommen oder stünden leer. Von der früheren Vielfalt an Geschäften sei heute nicht mehr viel übriggeblieben. Die Stadt habe bisher zu wenig unternommen, um die Situation zu ändern, so Metin.

Die Corona-Pandemie hat zusätzliche Herausforderungen mit sich gebracht. So seien die Kunden verunsichert, wodurch sich die Auftragslage verschlechtert habe und Metin seine Aushilfe entlassen musste. Aktuell wisse man nicht, wie es weitergehe.

Ausblick

Als einer der ältesten Betriebe in der Hochstraße konnte sich Metin über die Jahre einen festen Kundenstamm aufbauen, weshalb eine Standortverlagerung für ihn nicht infrage kommt. Dennoch sorgt er sich aufgrund der negativen Entwicklung des Stadtteils um die zukünftige Situation seines Betriebs. Deshalb hofft er, dass die Stadt künftig mehr Maßnahmen im Stadtteil plant und umsetzt. Beispielsweise wünscht Metin sich die Verbreiterung und Gestaltung der Bürgersteige. Für Gewerbetreibende wünscht er sich wieder einen intensiveren Austausch, die Durchsetzung gemeinsamer Interessen und allgemein ein freundlicheres Miteinander. Außerdem hofft er, dass das Schneiderhandwerk zukünftig mehr Anerkennung erhält und nicht so negativ dargestellt wird, da es sich um ein Handwerk handelt, welches immer benötigt wird.

AutorInnen: Hanna Pfeifer und Kai Heumann der Hochschule Bochum 

 

Quellen:

Interview mit Acar Metin am 21.08.2021, geführt von Hanna Pfeifer und Kai Heumann der Hochschule Bochum